2000 - 2014

UNIMOG BAUREIHEN 405/437

2000 - 2014

Form folgt Funktion: Die Baureihen 408 sowie 418 kündeten bereits leise an, was sich vom Jahr 2000 an dann endgültig Bahn bricht: Es kommt der Modell-Split in hauptsächlich als (geländegängige) Geräteträger ausgelegte Fahrzeuge und in hochgeländegängige Transport-Unimog. Für die erste Kategorie stehen die im Jahr 2000 vorgestellten Modelle U 300 bis U 500 (Baureihe 405). Die Zielgruppen sind Kommunen, Behörden, Dienstleister sowie Transportwirtschaft.

EXKURS NACH NORDAMERIKA

Den U 500 vermarktet die nordamerikanische Konzerntochter Freightliner ab 2002 unter dem eigenen Markennamen Freightliner in den USA. Freightliner stellt den Verkauf aber 2007 wieder ein, als die Abgasnorm EPA 07 in Kraft tritt, und weil im Lauf von fünf Jahren insgesamt nur knapp 200 Exemplare verkauft wurden.

Die charakteristischen Kennzeichen der Baureihe 405 sind ein neues, knuffiges Kurzhauber-Fahrerhaus von hoher Funktionalität und Ergonomie. Die Kabine besteht (wie vorher schon beim UX 100) aus Faserverbund-Werkstoff und gewährt mit ihren tief heruntergezogenen Front- und Seitenscheiben optimale Sicht.

LENKRAD UND INSTRUMENTENTAFEL HUSCHEN HIN UND HER

Das Stichwort „VarioPilot“ steht für ein Lenkrad, das sich inklusive Instrumententafel und Pedalerie in Sekunden von einer zur anderen Seite des Fahrzeugs verschieben lässt. Hintergrund: 75 Prozent aller Unimog werden ganzjährig mit wechselnden An- und Aufbaugeräten eingesetzt, die von beiden Fahrpositionen aus bedient werden müssen. Einmannbedienung ist darüber hinaus gefragter denn je. Denn nur so ist in vielen Fällen hinreichende Wirtschaftlichkeit gegeben.

NEUE SCHALTBOX UG 100

Neu in der Baureihe 405 ist zudem das Getriebe UG 100: Aus acht Gängen, halbautomatischer Telligent-Schaltung (von 2003 an auch vollautomatisierte Schaltung Telligent-Automatik) sowie Tempomat besteht dessen Grundausstattung. Auf Wunsch sind weitere Finessen wie zusätzliche Kriech- oder Arbeitsgänge, ein Drehmomentwandler oder ein hydrostatischer Fahrantrieb für stufenlos wählbare Geschwindigkeiten bis 25 km/h lieferbar.

ÜBER STOCK UND STEIN: BAUREIHE 437

Zur zweiten Kategorie gehören die 2002 vorgestellten, extrem offroadtauglichen Vertreter der Baureihe 437.4 (U 3000 bis U 5000). Sie sind für Feuerwehr, Energiewirtschaft sowie all jene gedacht, die in extremem Gelände zu transportieren haben. Ganz groß geschrieben steht im Lastenheft: So viele Gleichteile aus der Produktlinie „Geräteträger“ wie möglich, aber auch eine klare Differenzierung im Sinne der Zielgruppe wo nötig.

PROGRAMM GESTRAFFT, PROFIL GESCHÄRFT

Im Gleichschritt marschieren beide Baureihen also bei den Motoren aus den Baureihen OM 904/906 LA und OM 924 LA (110 bis 205 kW/150 bis 279 PS), beim Getriebe UG 100 sowie bei den Instrumenten, der Lenkung und den Bremsen. Eigene Wege gehen die Hochgeländegängigen jedoch schon wieder beim Fahrerhaus. Für sie bleibt es bei der kippbaren Ganzstahlkabine.

ZUSCHALTBARER ALLRADANTRIEB

Statt permanentem Allradantrieb wie bei den Kollegen der 405er-Reihe bieten sie einen zuschaltbaren Allradantrieb. Eine besonders hohe Bodenfreiheit gewähren die Portalachsen mit Stirnradvorgelegen in den Rädern. Die Antriebswellen liegen zudem innerhalb des Schubrohrs und sind somit bestmöglich vor Beschädigungen im harten Offroad-Einsatz geschützt. Dreipunktlagerung praktiziert das Werk sowohl für die Aggregate Motor und Getriebe als auch für Fahrerhaus und Aufbauten. Das stellt eine optimale Verwindungsfähigkeit sicher.

RATIONALISIERUNG GROßGESCHRIEBEN

Diese Neuorientierung, die im Übrigen mit einem Umzug der Produktion von Gaggenau nach Wörth einhergeht, bringt eine deutliche Reduktion der Varianten- und Teilevielfalt und somit eine deutlich erhöhte Wirtschaftlichkeit mit sich. Durch die neue Fahrzeugreihe reduziert sich die Zahl der Baumuster bei den hochgeländegängigen Fahrzeugen zum Beispiel von 36 auf vier. Statt 46 Baumustern für das Fahrerhaus gibt es nur noch sechs. Und die Anzahl der Rahmenvarianten kann gar von 135 auf ebenfalls nur noch vier reduziert werden.

Die gemischte Produktion in Wörth (ab 2002 )ist insofern nicht allzu schwierig, da für beide Unimog-Reihen das Diktum einer möglichst hohen Zahl an Gleichteilen gilt: Brüderlich teilen sie sich zum Beispiel die Motoren der Baureihe 900 (150 bis 218 PS/110 bis 160 kW), das Getriebe UG 100-8 sowie die Halbautomatik EPS (ab 2003 optional auch eine voll automatisierte Schaltung). Gleich sind bei beiden Reihen auch Bremsen, Lenkung und Instrumente.

SPEZIELLE TECHNIK FÜR HOHE GELÄNDEGÄNGIGKEIT

Bei Fahrerhaus, Rahmen, Achsen und deren Anbindung sowie bei der Tragstruktur für Aufbauten trennen sich dann aber die Wege. Ihre hohe Verwindungsfähigkeit verdanken die neuen hochgeländegängigen Unimog-Typen einem besonders verwindungsfähigen Leiterrahmen aus zwei U-Längsträgern mit geschweißten Rohrquerträgern.
Serie sind Portalachsen vorn und hinten mit Differenzialsperren, Radvorgelegen sowie Querlenker, Schubrohr, Schraubenfedern, Teleskop-Stoßdämpfern und Stabilisatoren vorn und hinten. Das Ganzstahl-Fahrerhaus (von Wackenhut-Oxford zugeliefert) mit Dachluke gibt es überdies in Doppelkabinenausführung. Wie Motor, Getriebe, Pritsche und Aufbau ist auch die Kabine dreipunktgelagert und macht somit jede Fahrzeugbewegung klaglos mit.

GENAU DEFINIERTES SPEKTRUM BEI U 3000 BIS U 5000

Etwas enger als bei den Geräteträgern aus der Baureihe 405 (U 300 bis U 500) sind naturgemäß sowohl die Motorisierung als auch das Spektrum des zulässigen Gesamtgewichts bei den Geländespezialisten U 3000 bis U 5000 (Baureihe 437.4) definiert: Reicht das zulässige Gesamtgewicht bei den 405ern von 7,5 bis 16,0 Tonnen, so bestreichen U 3000 bis U 5000 nur die Spanne von 7,5 bis 14,1 Tonnen. Und nimmt ein U 500 zum Beispiel grundsätzlich den 6,4 Liter großen Sechszylinder aus der Motorenbaureihe 900 in die Pflicht (231 sowie 279 PS/170 und 205 kW), so halten sich die Unimog aus der Baureihe 437.4 grundsätzlich an den Vierzylinder aus der Baureihe 900.

Den gibt es in den drei Leistungseinstellungen 150 PS (110 kW), 177 PS (130 kW) sowie 218 PS (160 kW). Bemerkenswert dabei: Die stärkste Version namens OM 924 LA ist speziell für den Produktbereich Unimog konzipiert worden und fußt auf 4,8 statt 4,2 Liter Hubraum wie beim OM 904 LA üblich. Das Plus an Hubraum resultiert aus 106 statt 102 Millimeter Bohrung sowie 136 statt 130 Millimeter Hub.

BLUETEC EBNET DEN WEG FÜR EURO 4 UND EURO 5

Kombiniert werden diese Vierzylinder bei U 3000 bis U 5000 grundsätzlich mit dem Getriebe UG 100-8, das dem Fahrer acht Vorwärts- und sechs Rückwärtsgänge bietet und auf Wunsch mit zusätzlicher Geländegruppe zu haben ist. Pfiffig dabei die von U 300 bis U 500 bereits bekannte Funktion EQR (Electronic Quick Reverse): eine vorwählbare, synchronisierte Wendeschaltung, die den schnellen Wechsel zwischen Vor- und Rückwärtsgang und somit ein problemloses Freischaukeln bei steckengebliebenem Fahrzeug möglich macht.
Den Weg zu Euro 4 und Euro 5 beschreiten die Unimog im Gleichschritt mit den Lkw von Mercedes-Benz: BlueTEC-Dieseltechnologie lautet das Schlüsselwort für die Abgasreinigung per SCR-Kat. Erste Unimog in Euro 4 sind auf der IAA 2006 in Hannover zu sehen. Für Märkte außerhalb der EU bleiben die bekannten Euro-3-Motoren aber weiterhin lieferbar.

DIE DRITTE GEWALT: PREMIERE DES U 20 AUF DER IAA 2006

Als perfekte Ergänzung zu den aktuellen Reihen 405 und 437.4 und als größtmöglichen Kontrast zum feinen Unimog Black Edition präsentiert Mercedes-Benz auf der IAA den neuen Unimog U 20. Er kommt als relativ leichtgewichtiger und zudem preisgünstiger Allrounder daher, der gewissermaßen die Brücke zum Lkw schlägt.

Zielgruppe sind Branchen, denen ein Allrad-Lkw immer noch zu wenig bietet und denen die beiden anderen Unimog-Reihen aber doch schon des Guten zu viel sind. Baugewerbe, Landschafts- und Gartenbau sowie Kommunen und Energieversorgung sind die Kreise, für die der neue U 20 infrage kommt.

DER U 20 SCHLÄGT EIN GANZ NEUES UNIMOG-KAPITEL AUF

So kommt es, dass der U 20 ein ganz neues Kapitel in der mittlerweile fast 60-jährigen Geschichte des Unimog aufschlägt. Er kommt als leichter Geräteträger mit 7,5 bis 8,5 Tonnen zulässigen Gesamtgewichts, dessen typische Kennzeichen der kurze Radstand von 2.700 Millimetern sowie eine in Europa neue und kippbare Ganzstahlkabine in Frontlenkermanier sind.

Dieses Fahrerhaus stammt aus dem in Brasilien gefertigten und auf urbane Einsätze spezialisierten Leicht-Lkw Mercedes-Benz Accelo und passt perfekt zum besonders wendigen Unimog U 20. Mit einer Fahrzeuglänge von nur 4,9 Metern und dem kurzen Radstand beträgt der Wendekreis gerade mal knapp 12,8 Meter. Wichtig für besonders niedrige Durchfahrten: Nur 2,7 Meter ragt die Kabine in die Höhe.

TYPISCHE UNIMOG-TECHNIK BLEIBT ERHALTEN

Typische Unimog-Technik ist dem Neuen aber in Gestalt von Portalachsen, Einzelbereifung, drei Differenzialsperren sowie permanentem Allradantrieb und dem Getriebe U 100 zu eigen. Die Anbaupunkte für Geräte aller Art sind identisch mit denen der anderen Unimog. Als Motorisierung fungiert aber wiederum ausschließlich die 156-PS-Variante (115 kW) des Vierzylinders OM 904 LA.

Zudem verzichtet der neue kompakte Unimog auf Finessen wie die Wechsellenkung oder extreme Langsamfahreigenschaften und kommt damit deutlich günstiger (rund ein Drittel) zu stehen als die klassischen Geräteträger aus der Baureihe 405 (U 300 bis U 500). Es handelt sich beim U 20 freilich auch um leichteres Kaliber: Reicht das Gesamtgewicht der 405er-Reihe von 7,5 bis 16,0 Tonnen, so bescheidet sich der U 20 mit wahlweise 7,5 oder 8,5 Tonnen beim zulässigen Gesamtgewicht. Er kann aber bei Bedarf durchaus Anhänger bis zu 18 Tonnen Gewicht ziehen.

FIT FÜR MÄHGERÄT UND SCHNEEPFLUG

Mit einem Leergewicht von 5,1 Tonnen (inklusive 2,25 Meter langer Kippbrücke) bietet der U 20 als Motorwagen maximal 3,4 Tonnen Nutzlast. Für den frontseitigen Anbau von Arbeitsgeräten ist der neue Kompakte gleichwohl gut gerüstet. Betragen die zulässigen Achslasten vorn und hinten doch 4,5 sowie 4,6 Tonnen, was sowohl den frontseitigen Anbau von Gerät als auch eine ungleiche Lastverteilung der Ladung möglich macht. Mit Frontausleger-Mähgeräten kommt der U 20 ebenso gut zurecht wie mit 3,4 Meter breiten Schneepflügen samt 1,5-Kubikmeter-Feuchtsalz-Streuautomaten.

Serienmäßig liefert Mercedes-Benz den neuen Benjamin unter den Allrad-Alleskönnern mit Kipphydraulik, optional kann der Kunde zwischen einer genormten Winterdiensthydraulik, Zapfwellengetriebe sowie Getriebe-Nebenabtrieb und Frontanbauplatte wählen.

ERSTE PROBEN SEINES KÖNNENS LIEFERT DER U 20 IM JAHR 2007

Mit der Auslieferung an die Kunden dauert es beim U 20 dann aber bis zum ersten Quartal des Jahres 2008. Erste Proben seines Könnens gibt er der Öffentlichkeit im Juni 2007 mit Sommerdienstgeräten auf der Fachmesse demopak in Eisenach. Später stellt er seine Fähigkeiten in Schnee und Eis bei einer Tour durch deutsche Wintersportgebiete unter Beweis.

Er kommt zur rechten Zeit: Denn anno 2008 dürften allein in Deutschland noch rund 12.000 Unimog der von 1982 bis 2000 produzierten Baureihen 424 und 427 ihre Bahn ziehen, die also allmählich zur Ablösung anstehen. In Euro 6 führt Daimler das Konzept des U 20 allerdings nicht fort.